Gottes Leuchtspur in der Welt

 

Impuls vom 16.12.2012, von Prälat Traugott Schächtele

Traugott Schächtele

Traugott Schächtele

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“  Um diesen Satz, vermutlich von Oscar Wilde, drehte sich im Frühsommer dieses Jahres ein sehenswerter Kino-Film. „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Wir sind noch nicht am Ende. 27 Menschen – ermordet in Newtown. 14 Menschen verbrannt in Neustadt. Es kann noch nicht das Ende sein – dieses Leben zwischen Neustadt im Schwarzwald und Newtown in Connecticut.

Am Ende wird alles gut. Darauf richten wir unsere Hoffnung. Gerade dann, wenn die Gegenwart zu wünschen übrig lässt. Und wann tut sie das nicht!

Wenn alles gut ist, dann ist der Lauf der Dinge am Ziel. Dann kommt auch die Geschichte an ihr Ende. Dann hört alles Hoffen, alles sehnsüchtige Warten auf bessere Zeiten endgültig auf.

Erst am Ende wird alles gut?
Der Beginn des Johannes-Evangeliums korrigiert diese Sichtweise. Er stellt sie geradezu auf den Kopf. Der Lauf der Dinge – er wird nicht erst am Ende gut. Er ist gut von allem Anfang.

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Gott war das Wort. Wo es Gott ist, in dem alles seinen Anfang nimmt, was ist, da ist schon der Anfang gut. Was gut ist, kann nur gut sein, weil es sich als gut erweist in Beziehung. Gott ist gut, weil sich er von allem Anfang nicht selbst genug ist.

Nicht herablassend ist das, was sich da ereignet. Gott treibt sein Sein auf die Spitze. Indem er Mensch wird, kommt sein Gott-sein-in-Beziehung ans Ziel. Gott wird Mensch. Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.

Das Gute sucht sich Raum in dieser Welt
Weihnachten ist das – ohne Maria und Josef. Ohne Hirten und Könige. Ohne Himmelslicht und Engelschöre. Weihnachten aber – mitten in der Welt, in die Gott sich einmischt. Auf die Gott sich einlässt. Gott wird Mensch!

Wirklich verstehen kann ich das nicht. Niemand kann das wirklich verstehen. Aber entziehen will ich mich diesem Werden Gottes auch nicht. Das Gute sucht sich Raum in dieser Welt. Seit allem Anfang.

Leuchtspur Gottes in der Welt
Wie eine Leuchtspur zieht sich diese Geschichte des Guten Wortes Gottes durch den Gang der Welt. Verborgen oft. Aber nicht vergeblich. Fast unhörbar. Aber nicht ungesagt. Zellen des Menschlichen haben sich gebildet. Und wachsen. Viel zu langsam oft. Nicht selten gegen den Trend. Und häufig gegen Widerstände.
Seit allem Anfang zieht sich diese Spur des Guten durch die Welt. Seit allem Anfang ist Gott gut. Gott findet zu seinem Sein, indem er Mensch wird. Wie wir. Der Mensch findet zu seinem Menschsein, indem er sich darauf besinnt, dass es die Züge Gottes sind, die sein Gesicht zum Leuchten bringen. Daran erinnert uns das Kind in der Krippe. Im Anfang war das Wort. Und dieses Wort wird Mensch. Gott nimmt Wohnung mitten auf der Erde.